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Maria-Radna, der bedeutendste Wallfahrtsort im Südosten Europas

Maria Radna, der bedeutendste Wallfahrtsort im Südosten Europas

1325 Der König von Ungarn, Karl Robert von Anjou, lässt in Lipova (Lippa) ein Kloster und eine dem Heiligen Ludwig von Toulouse, seinem Onkel, gewidmete Kirche erbauen.

1440 Radna ist erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname kommt aus dem slawischen Wort „ruda“, das mit „Metall“ übersetzt wird.

1520 Eine fromme Witwe lässt die erste Kapelle am Berg zu Radna errichten. 

1551 Beginn der Türkenherrschaft, die bis 1716 dauert.

1552 Mit der Eroberung Temeswars gelangt der größte Teil Ungarns unter osmanische Herrschaft.

1626 Bosnische Patres der Provinz zum Hl. Kreuz kamen als Begleiter ihrer Landsleute, die sich überall im Osmanischen Reich als Kaufleute niederließen, auch nach Radna, wo sie mit stillschweigender Duldung der Türken Seelsorge betreiben durften. 

1642 Franziskaner-Pater Andrija Stipančić, Pfarrer zu Radna, gelingt es, nachdem er den langen und anstrengenden  Weg zu Fuß bis Konstantinopel und zurück gegangen ist, vom Sultan, gegen einen entsprechend hohen Bakschisch, ein „Embre“ (Ferman) für die Renovierung seiner Kapelle zu erhalten.

1668 Die Kapelle der Franziskanerbrüder aus Radna bekommt eine auf Papier gedruckte, die Skapulier-Madonna darstellende Ikone aus dem Atelier des Buchdruckers Remondini aus Bassano del Grappa, Provinz Vicenza, in Norditalien. Sie ist das bis heute verehrte Gnadenbild.

1695 Türkische Soldaten steckten die Franziskanerkapelle in Brand. Die Kirche wurde ein Raub der Flammen; das auf Papier gedruckte Gnadenbild fanden Gläubige unversehrt zwischen den verkohlten Resten. Einer anderen Legende zufolge soll einem anderen türkischen Soldaten, der die Anhöhe zur Kirche hinauf reiten wollte, der Huf seines Pferdes in den Stein versunken sein, worauf er am Weiterreiten gehindert wurde.  Darauf machen eindrucksvoll der Stein mit dem Hufabdruck und die Malerei an der rechten Seitenwand der Kirche aufmerksam. 

1699 Mit dem Frieden von Karlowitz wird die Marosch zum Grenzfluss: Lippa und das Banat südlich der Marosch blieben türkisch, das nördlich des Flusses gelegene Radna wurde wieder dem Königreich Ungarn zugeteilt. Das Banat wurde erst im Oktober 1716 nach der Einnahme Temeswars duch Prinz Eugen von Savoyen befreit. 

1709 Während die Pest in Arad wütete, gelobten die Bewohner der Stadt, zum Zeichen des Dankes für die Beendigung und Rettung vor dieser furchtbaren Plage, eine Wallfahrt nach Maria Radna zu gestalten.

1722 Beruhend auf Zeugenaussagen der Ortsbewohner, berichtet der Chronist der Klosterchronik auf den ersten Seiten von Vorkommnissen wie etwa nächtlichen Lichter-Scheine, für die keine Erklärung gefunden wurde. Bei seiner Ankunft in Radna wurde die Kirche bereits von einzelnen Pilgern wie auch von Prozessionen aufgesucht. 

1723 Es wird eine neue und größere Kirche erbaut.

1727 beginnt die Baugeschichte des heutigen Klosters, als der Westflügel erichtet wurde. Nachdem inzwischen die Zahl der Ordensleute beträchtlich angewachsen war, kam in den Jahren von 1743 bis 1747 der Südflügel dazu. 

1750 Nach einem strengen Prüfungsprozess wurde in einem feierlichen Gottesdienst zu Mariä Geburt der Wallfahrt offiziell stattgegeben. 

1756 Weil die alte Kirche bald schon zu klein war, wird zu Pfingsten, am 7. Juli 1756, der Grundstein gelegt für eine neue Kirche in Maria Radna. Diese Kirche steht bis heute.

1767 Am 9. Juni, wieder zum Pfingstfest, überführt Bischof Franz Anton Leopold Graf Engl zu Wagrain feierlich und persönlich das wundertätige Bild in die neue schöne Kirche, die er den vorhergehenden Tag einweihte. Bedeutungsvoll ist, dass man vom frühen Morgen an Predigten in den verschiedenen Sprachen gehalten hat: Deutsch, Ungarisch, Illyrisch, Kroatisch, Rumänisch, Bulgarisch und Armenisch. Es kamen mehr als 12.000 Pilger aus vielen Nationen. Fast fünftausend Gläubige gingen zu den Sakramenten.

1768 stattet Kaiser Joseph II. der Gnadenmutter von Radna wie auch dem Kloster einen Besuch ab. Damals, so weiß die Überlieferung zu berichten, soll er gesagt haben: Wäre ich nicht Kaiser in Wien, möchte ich Guardian in Radna sein!

1771 Das Gnadenbild erhält einen wertvollen Schmuck. Aus Wien wurde der große silberne Rahmen gebracht, ein Werk des offiziellen Goldschmiedes des kaiserlichen Hofes, Joseph Moser, der 1769/71 den prächtigen Silberrahmen schuf, in dem das Gnadenbild auch heute noch verehrt wird,

1820 Fürstprimas Alexander von Rudnay konsekrierte die Kirche und schenkte dem Gnadenbild zwei goldene Kronen. Erzbischof Rudnay blieb dem Gnadenort zeitlebens so verbunden, dass er testamentarisch sein Herz Maria Radna vermachte, wo es heute noch immer in der Nähe des Gnadenbildes aufbewahrt wird.

1822 Waren so viele Menschen in Radna, dass der Chronist noch nie so viele am heutigen Tag gesehen hat. Selbst orthodoxe Rumänen waren darunter. 

1832  Zu Pfingsten überfluteten 25.000 Pilger den Gnadenort; zu Mariä Geburt und Mariä Namen kamen nochmals 20.000. In den Pfingsttagen des Jahres 1844 waren 22 Beichtväter rund um die Uhr in den Beichtstühlen; sie nahmen dreizehntausend Bekenntnisse entgegen.

1860 Stiegen die Zahlen sprunghaft an und erreichten bald eine vorher nie gekannte Höhe. Von weither kamen die Menschen: von den Ufern der Theiß fehlte fast keine Gemeinde mehr, doch auch Siebenbürgen war gut vertreten, ferner die Städte Erlau, Waitzen und Budapest. Die griechisch-katholischen Rumänen aus Lugosch und Zăbrani waren ständige Gäste der Gnadenmutter und feierten ihre Gottesdienste im byzantinischen Ritus. Fast jedes Banater Dorf und jede Nation der Diözese des Vielvölkerstaates der k.-u.-k.Monarchie hatte einen eigenen Wallfahrtstag, manche sogar deren mehrere.

1895 Anläßlich der Zweihundertjahrfeier seit der Aufzeichnung des ersten Wunders zu Maria Radna, wurde die Kirche mit einem neuen Hauptaltar aus Carrara-Marmor verschönert.

1905 entstand die heutige Orgel in der Werkstatt von Leopold Wegenstein zu Temeswar. Die 26 Register mit 1580 Pfeifen verteilen sich auf zwei Manuale und Pedal. Sie hat Kegelladen und pneumatische Traktur. Ihr Prospekt ist von einer Zeichnung des berühmten Pariser Orgelbauers Aristide Cavaillé-Coll inspiriert. 

1911 Die beiden Kirchtürme werden unter P. Augustinus Prieszter OFM um 30 Meter auf eine Gesamthöhe von 67 Meter erhöht. Er erneuert auch den Kreuzweg auf dem Wallfahrtsweg hinter der Kirche.

1917 wurden auch in Radna die Prospektpfeifen der Orgel und die Glocken zu Kriegszwecken abgeliefert. Der Erste Weltkrieg und die damit einhergehende Zerschlagung des österreichischen Kaiserreiches, in deren Folge das Banat dreigeteilt wurde und der größte Teil davon, einschliesslich Maria Radna, an Rumänien fiel, konnte dem Wallfahrtsort nicht ernstlich schaden. Dank der übermenschlichen Anstrengung Bischof Pachas wurde der Verlust an Terrain mit einer Steigerung der Pilgerzahlen beantwortet. Radna wurde mehr denn je zur Stätte des Gebetes, der geistlichen Erneuerung und des Aufbruchs. Es erlebte große Tage, seine hohe Zeit! Bischof Pacha war ständiger Pilger, Beichtvater, Prediger und stellte sich dem persönlichen Gespräch. 

1935 Über 73.000 Pilger, die höchste Anzahl von Pilgern in der Geschichte Maria Radnas, wallfahrten zusammen mit dem Diözesanbischof Dr. h. c. Augustin Pacha nach Maria-Radna, viele davon zu Fuß.

1944 Ausgelöst durch die nationalsozialistische-faschistische Bewegung vollzog sich der Einbruch, der das Land voll in die Katastrophe stürzte, umso überraschender und schmerzlicher. Nach dem Seitenwechsel Rumäniens zu den Allierten am 23. August 1944 geriet Rumänien in Folge der russischen Besetzung unter kommunistischen Einfluss. 

1948 P. Ernst Harnisch OFM wird der neue Guardian des Klosters und Wallfahrtsortes Maria Radna. Obwohl auch er verhaftet wurde und wegen „Hochverrats“ drei Jahre im Gefängnis verbrachte, sicherte er fast ein halbes Jahrhundert lang die Leitung des Gnadenortes.

1950 Bischof Pacha, Domherren und Ordensleute wurden in kommunistischen Schauprozessen zu langen Gefängnisstrafen verurteilt. Die Wallfahrten wurden verboten, das Kloster enteignet und zweckentfremdet. Es blieb nur noch ein einziger Pater mit ein oder zwei Brüdern in den wenigen belassenen Räumen des Klosters zurück. 

1951 Nach dem Verbot der Orden durch die kommunistische Herrschaft (1949) hat man alle Franziskaner Rumäniens in Maria Radna unter besonders schweren Bedingungen konzentriert. Später wurden die Ordensleute im ganzen Land zerstreut.

1964 Nach dreizehnjähriger Haft in den kommunistischen Gefängnissen wird der geheim geweihte Bischof Dr. Adalbert Boros entlassen. Sein erster Weg aus dem Gefängnis führte ihn direkt zur Muttergottes von Radna.

1971 Nachdem selbst in kommunistischer Zeit weder die Pilgerscharen ausblieben noch die Opferfreudigkeit der Gläubigen abnahm, konnte die Gnadenkirche innen und außen renoviert werden, sowie Reparaturen und Ausbesserungen an den Kapellen, Kreuzwegstationen und Wegen vorgenommen werden.

1990 In Rumänien werden die katholischen Orden wieder zugelassen und aktiviert.

1992 Papst Johannes Paulus II.verleiht der Wallfahrtskirche von Maria-Radna den Titel „Basilica Minor“. Zu diesem Anlass schenkt Titularerzbischof Dr. Adalbert Boros der Basilika von Maria Radna einen neuen Altar als Zeichen des Dankes an die Muttergottes von Radna für ihren der Kirche und der Diözese in den schweren Zeiten der kommunistischen Herrschaft gewährten Schutz.

2003 Am 1. Oktober dieses Jahres verlassen die Franziskaner, wegen Nachwuchsmangel, nach einer mehrere Jahrhunderte dauernden Präsenz, das Kloster Maria Radna. Ab dieser Zeit ist das gesamte kirchliche Leben des Wallfahrtsortes dem Diözesanklerus anvertraut. Derzeitiger Pfarrer ist Domherr Andreas Reinholz.

2013 Im Rahmen eines von der Europäischen Union geförderten Projektes wird das als historisches Denkmal der Kategorie A eingestufte Ensemble einer kompletten Renovierung unterzogen. Ziel des Projektes ist es, mit Maria Radna als Flaggschiff, den Kulturtourismus und die wirtschaftliche Infrastruktur in der Umgebung zu entwickeln und Kirche und Kloster Maria Radna in einen touristischen Kreislauf einzubringen.

2015 Am 2. August erfolgt die Einweihung im Rahmen der Deutschen Wallfahrt im Beisein vieler politischer und geistlicher Würdenträger aus dem In- und Ausland.